Hans von Hackelberg, der wilde Jäger

Fichtenwald bei Nacht

Hans von Hackelberg, ein braunschweiger Oberjägermeister, der in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts lebte, hatte nur Sinn für die Jagd. Um seine Leidenschaft zu befriedigen, kaufte oder pachtete er mehrere benachbarte Jagden und durchzog mit seinem Gefolge und mit einer großen Meute von Hunden jahraus, jahrein, bei Tag und Nacht Felder, Gehölze und Vorgebirge des Harzes. Einst übernachtete er in Harzburg. Da Sah er im Traum einen furchtbaren Eber, der ihn nach langem Kampf überwand. Als er erwachte, stand der schreckliche Traum ihm immer noch vor Augen.

Nichts konnte das grausige Bild verwischen, obgleich der Jägermeister auch über seinen Traum lachte.
Einige Tage später traf er wirklich im Vorholz einen gewaltigen Keiler, der demjenigen ganz ähnlich war, den er im Traum gesehen hatte. Mit Wildheit, Wut und Kraft von beiden Seiten begann der Kampf, der lange unentschieden blieb. Seiner Gewandtheit jedoch verdankte Hans von Hackelberg den Sieg, er streckte seinen Feind nieder. Als er ihn zu seinen Füssen liegen sah freute er sich eine Zeitlang an dem Anblick, Dann stieß er mit dem Fuß nach den schrecklichen Hauern des Tieres. Allein er hatte mit solcher Gewalt zugestoßen, dass einer der scharfen Zähne des Keilers den Stiefel Hackelbergs durchdrang und ihn am Fuß verwundete.

Anfangs beachtete er die Wunde wenig und setzte die Jagd fort, bis es Nacht wurde. Bei seiner Rückkehr war der Fuß schon so aogeschwollen, daß der Stiefel abgetrennt werden mußte. Da kein sorgsamer Verband angelegt wurde, verschlimmerte sich die Wunde in einigen Tagen so, daß Hackelberg nach Wolfenbüttel eilen wollte, um dort Hilfe zu suchen. Aber jede Erschütterung des Weges war ihm unerträglich, und nur mit Mühe erreichte er das Hospital bei Wülperode. Dort starb er. Seitdem soll er als wilder Jäger in stürmischen Nächten durch die Lüfte brausen.