Der Raubgraf im Käfig

Schloß Quedlinburg

Wie ein Adlernest blickt die Burg Regenstein in die fruchtbare Ebene hinab. Auf dieser wohnte einst Albrecht II. von Reinstein, der Schutzvogt von Quedlinburg. Er griff aber so dreist und willkürlich in die Rechte der Bürger ein, dass sie es nicht länger ertragen konnten. Sie entschlossen sich, gegen den Grafen loszuziehen. Mehrmals schlugen die Quedlinburger den Reinsteiner aus dem Felde. Eine Zeit lang zog sich dieser zurück. Ais er wiederkam, um sich zu rächen und Quedlinburg zu erobern, schlugen die Bürger und Bauern den Ritter und seine Mannen vernichtend. Albrecht flüchtete der Gersdorfer Burg zu, geriet mit seinem Pferd in das benachbarte Hackelteich-Moor und wurde gefangen.

Da musste der stolze Ritter inmitten der jubelnden Bürger demütig einhertrotten; nicht hoch zu Ross, zu Fuß im schweren Harnisch zog er in Quedlinburg ein. Das war ein Freudentag für die durch Belagerung und Überfälle seit langem hart bedrängte Stadt.

Man sperrte den Gefangenen in einen Käfig, der täuschend einem Stalle glich. Die Türen waren so niedrig, dass er hineinkriechen musste. Und nun stellte man ihm Forderungen, die er immer wieder ablehnte; mit seinem Trotz glaubte er die Quedlinburger zu bezwingen. Doch seine Wut, sein Toben und das Schelten auf das „Bürgerpack“ halfen nichts. Als er immer verbissener wurde und nicht nachgeben wollte, verurteilte ihn die Hansa zum Tode durchs Schwert. Das Schafott wurde errichtet, und der Tag rückte heran, an dem des mächtigen Grafen Haupt fallen sollte; da erst beugte er sich. Er kam frei, musste aber zuvor sieben Türme um Quedlinburg bauen, auf seine Schirmherrschaft über die Stadt verzichten und schwören nie wieder Quedlinburg durch Räubereien und Fehde zu belästigen.

Albrecht kehrte auf sein Felsennest zurück und hielt sein Versprechen. Der Holzkäfig aber, in dem der stolze, gewaltige Schirmvogt von Quedlinburg gefangen gehalten wurde, ist heute noch in Quedlinburg zu sehen.